Shiatsu unter der Geburt

Viele Frauen lassen sich mit Shiatsu durch die Schwangerschaft begleiten. Cora Ameer arbeitet seit vielen Jahren intensiv mit Hebammen zusammen. Im Geburtshaus am Treptower Park in Berlin arbeitet sie in eigener Praxis. Mit besonderer Freude betreut Cora Schwangere und Säuglinge und begleitet regelmäßig Geburten.

 

SHIATSU UNTER DER GEBURT

von Cora Ameer

In meinem Artikel „Shiatsu in der Schwangerschaft“ bin ich darauf eingegangen, wie wir Schwangere unterstützen und die Geburt vorbereiten können. Nun möchte ich auf Shiatsu unter der Geburt eingehen.

Grundsätzlich ist es von großem Vorteil, wenn Schwangere den Weg schon in der Schwangerschaft zu uns finden, dann kennen wir uns, haben die Geburt zusammen vorbereitet, über Wünsche und Vorstellungen gesprochen und sind somit bestens vorbereitet. Unter der Geburt können wir dann auf die aufgebauten Ressourcen zurückgreifen.

Zusammen mit Hebammen

Ich arbeite daher mit den Hebammen eines Geburtshauses zusammen, wo die Frauen von Beginn ihrer Schwangerschaft an betreut werden. Das hat eine großen Vorteil: Pflegen wir den engen Kontakt mit Hebammen, holt sie uns zu einer Geburt dazu, wenn sie meint, es könne die Frau und die Geburt unterstützen.

Hier ein kurzer Bericht von Anja, die ich vor der Geburt ihres zweiten Kindes nicht kannte. Eine Hebamme des Geburtshauses rief mich jedoch an und bat mich, dazuzukommen:

 „Zwei Tage lang hatte ich leichte bis stärkere Wehen und einen daraus folgenden Schlafmangel. Ab einem bestimmten Zeitpunkt waren die Wehen so stark, dass wir zur Geburt ins Geburtshaus gefahren sind. Aufgrund der Untersuchung unserer Hebamme Katja, die sie in diesen vergangenen zwei Tagen durchgeführt hatte, hatte sie die Befürchtung, dass die Geburt sich sehr lang hinziehen könnte und mich körperlich an die Grenzen oder sogar darüber hinaus bringt. Um dem entgegenzuwirken, beschloss sie, Cora zur Geburt einzuladen, und Cora war mein Segen… Sie hat unter den Wehen dafür gesorgt, dass unser Kind auf einem sanften Weg in eine bessere Position findet und dabei auf einer ganz natürlichen Weise bewirkt, dass unser Sohn den Weg zu uns schneller fand. In den Wehenpausen hat sie mir mit ihrer Behandlung und Anleitungen zum Atmen neue Kraft gegeben bzw. für die nötige Entspannung gesorgt. Außerdem hat sie durch ihre ruhige und entspannte Art viel dazu beigetragen, dass wir uns sicher, aufgehoben und wohlgefühlt haben.“

Als ich zu der Geburt von Anja dazu gerufen wurde, hatte sie schon einen voll geöffneten Muttermund, aber die Position des Babys war nicht so optimal und es fiel dem Baby schwer, sich durch das Becken zu drehen. Anjas Hände und Füße waren feucht und zittrig, Herz und Lunge sehr aufgeregt. Zunächst habe ich sanft und beruhigend in den Wehenpausen behandelt. Diese Phase von ungefähr 30 bis 40 Minuten gab Anja die Möglichkeit, sich ein wenig zu erholen und zu zentrieren. Herzschlag und Atmung wurden etwas ruhiger und vor allem gleichmäßiger. Das gab auch dem Baby die Zeit und Möglichkeit, sich gestärkt durch das Becken zu arbeiten. Dann sollte Anja langsam wieder aufstehen. Die Wehen wurden prompt stärker und es dauerte nicht mehr lange, bis das Baby geboren war.

Eins, zwei, drei …

Eine Geburt hat drei Phasen: die Eröffnungsphase, in der sich der Muttermund auf zehn Zentimeter öffnet, die Übergangsphase, in der sich das Köpfchen des Babys durch das Becken dreht und die Austreibungsphase, in der das Baby geboren wird.

Grundsätzlich haben wir mit Shiatsu in allen Phasen unter der Geburt gute Möglichkeiten, zu unterstützen. Meiner Erfahrung nach, nach vielen Jahren der Begleitung von Geburten, insbesondere in den ersten beiden Phasen: nämlich um die Öffnung des Muttermundes anzuregen, wenn es sehr lange dauert und sehr schmerzhaft ist sowie in der Übergangsphase, in der das Baby eine optimale Position erreichen soll, um geboren zu werden.

Wenn ich zu einer Geburt dazukomme, lasse ich mir zunächst in Kurzform von der Hebamme den bisherigen Verlauf schildern, wie ihre Einschätzung ist und was es braucht in der Situation. Hier sagt mir die Hebamme auch, ob es in der Schwangerschaft Probleme gab und wenn, welche, wie die Frau emotional aufgestellt ist, ob eine Wunschkindbehandlung vorliegt und Ähnliches. Ich höre zu und lasse das auf mich wirken. Die Hebammen sind sehr emphatisch und lassen sich tief ein auf die Bedürfnisse „ihrer“ Frauen. Sie haben sie während der Schwangerschaft und der konstanten Betreuung schon gut kennengelernt.

Mit allen Sinnen einlassen

Im Geburtszimmer angekommen stellt die Hebamme mich der Frau und dem Partner vor. Sie hat ja vorher schon mit ihnen besprochen, warum es gut sein könnte, dass ich dazukomme und von mir erzählt. Ich setze mich dazu und stimme mich auf die Situation ein. Ich höre mir an, wie die Wehen verlaufen und wie die Frau diese verarbeitet. Dann frage ich die Frau, ob ich sie berühren darf und sage nur kurz, wo ich sie behandeln werde, was ich mache und was das Ziel ist.

Die Kunst, wenn man quasi in so eine Situation hineingeworfen wird, ist, sich komplett mit allen Sinnen einzulassen. Es ist fast immer sinnvoll, die Hände zunächst auf den oberen Rücken zu legen und den Blasenmeridian zu behandeln. Dabei können wir sofort Kontakt aufnehmen mit dem Fluss von Energie von oben nach unten in das Becken und spüren, ob der Brustkorb weich und nachgiebig ist. Das ist wichtig für eine gute Atmung und hilft auf dem Leber- und Gallenblasenmeridian, die Durchlässigkeit zu erhöhen, was wichtig ist für kräftige und klare Wehen. Die Wirbelsäule und die Liquorflüssigkeit im Wirbelkanal haben einen starken Bezug zum zentralen Nervensystem. Bei Angst und Unruhe bietet es sich an, immer wieder an den Rücken zurückzukehren. Hier kann auch der Partner oder eine andere Begleitperson sein und der Frau immer wieder den Rücken stärken.

Es gibt viele einzelne Punkte und auch Kombinationen, die unter einer Geburt sehr wichtig werden können. Bewährt haben sich insbesondere Gallenblase 21 und 30 in Kombination mit Dickdarm 4 und 11 für eine stärkere Wehentätigkeit. Zudem Blase 30 bis 34 am Kreuzbein in Kombination mit Blase 10 an der Schädelbasis für einen Impuls an das Kind, sich besser durch das Becken zu drehen. Und außerdem variierende Nieren- und Blasenpunkte unter den Presswehen, um die Aufmerksamkeit zu zentrieren und das Kind gleichmäßig langsam durch die Scheide gleiten zu lassen.

Insgesamt ist es so, dass jeder Geburtsvorgang einzigartig ist und wir uns mit Shiatsu mit allen Sinnen darauf einlassen müssen, um zu spüren, wo es hilfreich sein kann, zu unterstützen, aber auch, wo die Natur ihren Verlauf alleine findet und die Frau die Berührung nicht mehr braucht.

Autorin: Cora Ameer ist Ethnologin und Heilpraktikerin und arbeitet als Therapeutin für Shiatsu, Shônishin, Ayurveda und Trauma. Ihre Praxisschwerpunkte sind: Arbeit mit Schwangeren und Säuglingen, Bindungsarbeit und Traumatherapie, insbesondere bei Entwicklungstraumata. www.cora-shiatsu.de

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