Die Fünf Elemente – Ressourcen gegen Stress

Schweizer Shiatsutherapeut  und -Lehrer Peter Itin schreibt über das Phänomen Stress und wie wir dem mit Shiatsu und den Ideen aus der Lehre der 5 Wandlungsphasen begegnen können.

 

KomplementärTherapie mit Shiatsu stärkt mittels Behandlung, Gespräch und Übungsanleitungen die Ressourcen der KlientInnen bei Stress. Die Selbstregulierungskräfte werden angeregt und Stressbewältigungskompetenz unterstützt. Beschwerden können sich auflösen und persönliche Entwicklungsschritte gemacht werden.

Stress als grosse gesellschaftliche  Herausforderung

Ein grosser Teil der Erwerbstätigen fühlt sich am Arbeitsplatz häufig oder sehr häufig gestresst. Sie fühlen sich erschöpft oder sehr erschöpft, klagen über arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme und leiden unter Rückenschmerzen. Allgemeine Erschöpfung, Reizbarkeit, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen sind ebenfalls stark verbreitet. Schlechte Körperhaltung und hoher Arbeitstempo bzw. Zeitdruck stehen bei Männern und Frauen an vorderster Stelle der Ursachen. Repräsentative Umfragen ergeben, dass die Erwerbstätigen für die Zukunft eine weitere Zunahme der Stressbelastung erwarten. Je häufiger und je stärker der Stress, desto geringer schätzen die Menschen ihre Stressbewältigungskompetenz ein.

Die Fünf Elemente als kraftvolle Ressourcen bei Stress

In dieser gesellschaftlichen Situation ist KomplementärTherapie mit der Methode Shiatsu eine wertvolle Ressource. Sie hilft, akute Stress-Situationen besser zu bewältigen und die Kompetenz im Umgang mit Stress zu steigern. Dies geschieht über die Behandlung selbst, das ergänzende Gespräch und Hilfestellungen für den Alltag.

Shiatsu bezieht sich auf die fernöstliche Gesundheitslehre und damit auf die Grundsätze der Selbstregulierungsfähigkeit des Organismus im Spannungsfeld von Yin und Yang und den Wechselwirkungen zwischen den 5 Wandlungsphasen. An dieser Stelle möchte ich zeigen, wie die Fünf Wandlungsphasen als wertvolle Ressource bei Stress nutzbar sind.

Erden und zentrieren

Erde: Im Stress verliert man oft den Boden unter den Füssen. Die Energie steigt in den Kopf. Sorgevolle Gedanken, Kopfschmerzen und Schlafstörungen nehmen überhand. Die Shiatsu-Behandlung wirkt erdend und zentrierend. Wir verbinden unsere KlientInnen im Shiatsu mit der Stabilität der Erde. Sie fühlen sich von ihr getragen und gestärkt. Im Gespräch lassen sich Möglichkeiten erkunden, das Gefühl von Stabilität und Sicherheit auch im Alltag zu erfahren, beispielsweise über die Praxis der Achtsamkeit auf die Füsse, über wärmende Nahrung und Getränke oder über Sport und Körpererfahrungen. Das Erd-Element steht auch für die Fürsorge zu sich selbst und die Fähigkeit zu Handeln, das Geschick in die eigenen Hände zu nehmen.

Öffnen und Grenzen setzen

Metall: Unter dem Druck des Stress wird der Atem oftmals flach. Viele KlientInnen spüren eine einschnürende Enge im Brustkorb. Sie sind nicht mehr im natürlichen Rhythmus. Die Shiatsu-Behandlung vertieft den natürlichen Atem, das tiefe Ein- und Ausatmen, Öffnen und Loslassen, aufnehmen von Frischem und abgeben von Unnötigem. Shiatsu führt zu Empfindungen von innere Expansion, Weite und Raum. Man ist wieder im Körper zu Hause und wohl. KlientInnen werden angeregt, sich im Alltag regelmässig  bewusst mit ihrem Atem zu verbinden und körperlich zu bewegen. Das Spüren und Respektieren der eigenen Grenzen ist ebenfalls eine wichtige Ressource dieses Elements. Unter übermässigem Druck gilt es beispielsweise, klar „Stopp“ zu sagen. Als KomplementärTherapeutInnen können wir die Stress-Bewältigung mithilfe zielgerichteter Gesprächsführung unterstützen.

Bewusst und freudvoll leben

Feuer: Im Stress gehen die Freude und die Arbeitsmotivation verloren. Das ursprünglich einmal vorhandene „Feu sacré“ erlöscht. Erschöpfung und Depression breiten sich aus. Betroffene enden schlimmstenfalls im Burnout, wenn ihre „Batterien“ emotional und energetisch leer sind. Mit Shiatsu erhält die Lebensfreude neue Impulse. Im Gespräch wird die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche und Freudvolle im Leben gelenkt. Regelmässiges Praktizieren von Achtsamkeit hilft, das Bewusstsein über das körperliche, seelische und soziale Befinden zu schärfen und rechtzeitig auf Signale zu reagieren.

Vertrauen und wollen

Wasser: Stress geht an die Nieren und braucht deren Energiereservoir auf. Bei Überlastung geht das Vertrauen in die Handhabbarkeit der Situation verloren. Man fühlt sich ohnmächtig, dem Druck von Aussen ausgeliefert und getrieben. Man sieht keine Möglichkeit mehr, die Situation zu verändern. Man fühlt sich blockiert und festgefahren. Shiatsu regt den Lebensfluss an und verbindet die Menschen wieder mit ihrem Urvertrauen und ihrer Willenskraft. Diese sind erforderlich, um anstehende Veränderungen in Angriff zu nehmen.

Kommunizieren und schützen

Ergänzendes Feuer: Unter Stress geht das Gefühl von Sicherheit in sozialen Beziehungen verloren. Man fühlt sich ausgenutzt, im Stich gelassen, nicht respektiert und mehr. Viele betroffene Menschen distanzieren sich innerlich von ihrer Arbeit, ihrem Arbeitgeber und ihren Vorgesetzten. Sie ziehen sich aus dem sozialen Umfeld zurück. Sie schützen ihr Herz und „panzern“ sich förmlich ein. Im Shiatsu werden verhärtete Grenzen wieder geschmeidig. Im Gespräch werden Wege gesucht, unterbrochene Kommunikationen wieder aufzunehmen und sich angemessen einzubringen.

Erholen und entspannen

Holz: Stress führt zu einer Aktivierung des Sympathikus. Der Organismus befindet sich in einem alarmierten Zustand und schaltet auf „Kampf oder Flucht“. Dauerhafte Verspannungsschmerzen (Kopf, Rücken) und Gelenksentzündungen sind typische körperliche Stressfolgen, die sich diesem Element zuordnen lassen. Emotionale Folgen sind Frustration, Wut und Ärger. Der Geist wird eng und kontrolliert. Ein „Tunnelblick“ lässt keinen Raum mehr für Visionen und Orientierung. Shiatsu öffnet das übermässig Kontrahierte und aktiviert den Parasympathikus, der für Erholung, Entspannung und Wohlbefinden zuständig ist. Im Gespräch werden die Möglichkeiten zur Entspannung im Alltag ausgelotet und in konkrete Handlungsziele umgesetzt.

Stressverstärker: erkennen und transformieren

Nebst der aktuellen Stressbewältigung besteht eine grosse Herausforderung darin, tiefer liegende Stressverstärker zu erkennen und zu verändern. Es handelt sich dabei um Denk- und Verhaltensmuster, die sich meist schon in der Kindheit entwickelt haben. Typisch dafür sind Verhaltensmuster wie innerer Rückzug, Opferhaltung, Schuldzuweisung, Leistung bis zur Selbstaufgabe und mehr. Ihnen liegen Glaubenssätze des „inneren Kinds“ zu Grunde wie: „ich kann eh nichts erreichen“, „ich bin nicht ok so wie ich bin“, „ich werde nur geliebt, wenn ich perfekt bin“. Wenn im behandlungsergänzenden Gespräch deutlich wird, dass solche Muster wirksam sind, wird es beispielsweise wichtig, KlientInnen zu ermuntern, Konfliktgespräche anzugehen statt den Frust in sich hinein zu fressen. Es gilt, Stressverstärker zu entschärfen und dysfunktionale Muster zu transformieren. Die Gesundheit wird damit nachhaltig verbessert. Zugleich werden bereichernde, persönliche Entwicklungsprozesse ausgelöst und ermöglicht.

 

Autor: Peter Itin, Autor des Fachbuchs „Shiatsu als Therapie“. Kursleiter. 20 Jahre berufspolitisches Engagement für Shiatsu in der SGS und die KomplementärTherapie. 

 

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