Dies ist der Anfang einer Geschichte, die mir am Herzen liegt- kokoro

Meinshiatsufestival – Serie

Cordula Töpfer, arbeitet mit Shiatsu und Seiki in Osnabrück. 
Sie gibt auf dem Shiatsufestival am 30.06.-2.07.17  einen Workshop für Veränderung und Bewegung im Leben. 
Hier ist der Anfang einer Geschichte, die ihr am Herzen liegt:

 

Ich nenne ihn mal Bob D.
Er ist ein charismatischer, kreativer Typ, der viel redet und auch gerne provoziert. Bob D. hält sich grundsätzlich ungern an Regeln und hat in seinem Leben schon einiges an Grenzgängen ausprobiert, auch so einige Drogen.
Er ist ein Überlebenskünstler. Er nimmt sehr viel wahr, bei sich selbst und anderen und er kann Energien sehen.
Und es ist sehr viel Energie in seinem System.
Wenn er sich aufregt, schiebt sich die Spannung kreuz und quer durch seinen Oberkörper, Hals und ins Gesicht und der Ausdruck scheint fast zu entgleiten.
Der Wahnsinn ist ihm vertraut.
Die Medikamente waren wie ein Schutz, eine Dämpfung, nicht mehr soviel mitzubekommen.
Geräusche seiner Mitmenschen kann er schlecht ertragen. Im öffentlichen Verkehr unterwegs zu sein, bringt ihn an den Rand des Ertragbaren, zu viele Geräusche, zu viele fremde Energien.
Deswegen ist er auch aus der Großstadt in eine beschauliche Stadt gezogen.

Bob D. will sich mehr fühlen, will seine Kraft leben und geben.

Er kommt die ersten Tage fast täglich. Ich berühre ihn kaum.
Kokoro.
Ich nehme eine starke Spannung in seiner Körpermitte und später auf der linken Kopfseite wahr.
Äußerlich passiert kaum etwas.
Er fühlt wie der Schmerz in der linken Kopfseite, als ich ihn dort berühre, zunimmt und dann abfließt.

Den Energiefluss in den Beinen nimmt er stärker wahr. Nach den ersten Tagen fühlt er sich insgesamt mehr.

Mit einer einfachen Körperübung bringen wir seinen Körper ins Zittern. Er zittert stark, doch in die Katsugene (spontanen Bewegungen) kommt er erst beim nächsten Treffen. Die Bewegungen sind sehr stark und öffnen seinen Brustkorb.
Er fängt währenddessen an zu reden, doch ich kann ihn nicht verstehen.

Es ist eine Auseinandersetzung mit seinem eigenen Schatten.

Hinterher ist er von einer sehr großen Wut erfasst, auf seine Mutter und auf eine frühere Freundin, die wieder stärker auf ihn zu zukommt und ihn noch zu binden scheint, jetzt wo er sich gerade für jemanden entschieden hat.

Er rauft sich immer wieder die Haare, die Wut bewegt sich, bis sie irgendwann verraucht.

Dann fangen wir an zu lachen, lachen und lachen eine gefühlte Ewigkeit.

Die Tage drauf verändert sich der telefonische Kontakt zur Mutter.
Er muß sich nicht abgrenzen, weil sie ihn verändern will.
Plötzlich ist gegenseitiges Verständnis möglich. Ein Ansatz von Familiengefühl.

Doch Wut ist immer wieder Thema, besonders im Strassenverkehr. Aggressionen kommen ihm oft entgegen, wenn er sich nicht an Regeln hält.
Und letztendlich dreht sich alles um Eigenverantwortung. Was kann er selbst verantworten?

Lange Zeit hat er geglaubt, er müsse sich um die Depression kümmern. In letzter Zeit wird ihm klar, das er eher auf die Manie aufpassen muss.
Die kickt ihn raus, seelisch. Und er bekommt den Übergang nicht mit.
Will ihn vielleicht auch nicht mitkriegen, da die Manie ja auch kickt:

Größer, besser, höher und dann kommt der Fall. Er will auf die Manie aufpassen.

Dafür muss er für sich sorgen.
Er will Alkohol und Zucker weglassen, weniger Kaffee, auf Schlaf und regelmäßiges Essen achten. Selbst zu viel Musik kann ihn raus kicken.

Ich behandle ihn fast zwei Wochen nicht. Er bemerkt einen Unterschied.
Der Zugang zu ihm selbst nimmt ab.
Doch es gibt immer wieder Momente in denen er sich mehr fühlt.
Zum Beispiel beim Musik machen kommt er sich näher, fühlt seinen Schmerz.

Es bleibt der Kernwunsch uneingeschränkten Zugang zu seinen Gefühlen zu haben. Er möchte nicht mehr so hart sein.
Und doch gehen ihm die Leute, die so peacig und weich sind schnell auf die Nerven. Er will trotzdem stark sein.

Er bringt seinen Körper zum Zittern und vibriert lange vom Becken bis in den Kopf. Der Atem geht immer wieder tiefer.
Er träumt von seiner ersten Freundin, er war vielleicht 9 oder 10 Jahre alt,
der erste Kuss.

Und da ist es: das Mädchen. Ich kann sie fühlen.

Nach der Behandlung fühlt er sich weicher.
Er hat einen Zugang zu seinem inneren Mädchen.
Er beschreibt sie als fein und mit großen Augen, mit einer großen Naivität und Gutgläubigkeit. Das Mädchen ist völlig offen.

Als er fährt, zeigt er mir seine neue Fahrradklingel. Groß, mit bunten Blumen und in der Mitte ein Tigerkopf. Eine Mädchenklingel.
Das mit dem Mädchen gefällt ihm, ein schönes Bild.

 


Kokoro ist japanisch für Herz. Doch ist die Bedeutung vielschichtiger und bedeutet auch Geist, Seele, Bewusstsein oder Gesinnung

Katsugen ist eine Form von regenerierender Bewegung, die spontan vom Körper erzeugt wird


Autorin: Cordula Töpfer, Osnabrück – www.cordula-toepfer.de

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